pressezitate zu "gländ"

 

tages anzeiger / der bund

»...Von unwirklicher Schönheit dagegen «Gländ», das neue Programm von Christian Zehnder (Stimmhorn), ein Duett mit Barbara Schirmer am Hackbrett. Zehnder, der virtuose Jodler und Obertonsänger, sang zurückhaltender als auch schon, und in den stärksten Momenten hörte man Jodelmelodien, die so erhaben kunstvoll und so profund schwermütig waren wie ein Schubert-Lied.» 

 

badische zeitung, dez. 09

”Wie eine Stimme und ein Hackbrett ein ganzes Abendprogramm gestalten sollen, das fragte sich wohl mancher Zuhörer vor der Basler Premiere von "Gländ" zurecht. Esoterisches lässt sich da vermuten, und wenn nicht, dann vielleicht Traditionelles. Doch da war man in diesem Gelände auf dem Holzweg. Sicherlich ist es eines der größeren Wagnisse, die der Vokalakrobat Christian Zehnder im Laufe seiner Karriere da mit Barbara Schirmer eingegangen ist, ohne Netz und doppelten Boden eines Bandgefüges, "feinstofflich", wie er selbst sagt. Vor einem halben Jahr hatte die unorthodoxe kammermusikalische Begegnung während der Uraufführung beim Alpentöne-Festival in Altdorf noch mit der barocken Klangfülle einer Kirche zu kämpfen. Nun bot das kleine aber feine Theater Roxy zu Birsfelden mit seiner trockenen Akustik einen perfekten Rahmen, um ein lebendiges Konzertieren zu ermöglichen.


Denn obgleich Zehnder mit seinen Stimmeneskapaden im Mittelpunkt steht, ergibt sich doch immer wieder eine delikate Zwiesprache mit dem Hackbrett. Schirmer gestaltet die Begleitstrukturen frei und virtuos mit vier Sticks, lehnt sich an Minimal Music-Vokabeln an, hat auch Mut zu spröder Chromatik. Der Nachhall der Saiten erzeugt spannende Reibungen zu Zehnders Obertongesang, der wie gewohnt nuancenreich vorgetragen wird, mit dem Tanz der Finger auf den Lippen etwa, um perkussive Maultrommel-Effekte zu erzielen. Hintergründig brechen die beiden das Erbe der Schweizer Volksmusik auf, konfrontieren es subtil mit Farben aus aller Damen und Herren Länder. Der kehlige Gesang tanzt zu ungeraden Takten, die vom Balkan stammen könnten, die Tonfolgen eines Zäuerlis werden verlangsamt, vereinigen sich mit Countertenor-Einlagen zu einer völlig neuen melodischen Logik. Oder man zäumt das Pferd von der anderen Seite auf, lässt in ein barockes Rezitativ das Jodeln einbrechen.

Eine vielschichtige Folklore Imaginaire

In einem Solo wandelt Schirmer von einer schlichten Volksmusikweise hin zu fast expressionistischen Phrasen, bringt dadurch ihre Verstörung über das Minarett-Verbot zum Ausdruck und grüßt ihre Freunde in Persien, Heimat der Hackbrett-Hochkultur. Es ist eine vielschichtige folklore imaginaire, die beide jeder für sich schon beherrschen, und die im Zusammenspiel den Fokus noch weiter weg von der Folklore hin zur großartigen Einbildungskraft verlegt. Denn immer wieder erzählen sie Geschichten, in denen bei allem Filigranen das Humoreske einen starken Anteil hat: Ohne Worte erzählt Zehnder die Geschichte vom einsamen Appenzeller Bauern, der im Nahen Osten sein Liebesglück findet, wobei er mit zum Brüllen komischer Gestik das ländliche Mannsbild und die verzückte Dame zugleich verkörpert.
Ein Tango erklingt plötzlich, mit Bandoneon-Unterstützung, und dieser Tango hat einen an Liebesleid erkrankten Griesgram zum Protagonisten, der zur großen Begeisterung der Zuhörer Aspekte von Tom Waits und einer Sopranistin mühelos unter einen Hut bringt. Überhaupt ist Zehnders Rollenspiel in diesem Programm besonders frappant: Vom plappernden Mütterlein bis zum Belcanto-Sänger, vom bärbeißigen Nuschler bis zum Mädchen, das sich ziert, spielt er meisterhaft auf der Klaviatur der Vokalfarben. Und besitzt gerade dadurch Stärke, dass er sich auch mit langen, anstrengenden Haltetönen zurücknehmen kann, um Schirmer Raum zu geben für pointierte Soli in den hohen Lagen des Hackbretts.
Nach einem frenetischen Beifallssturm im vollbesetzten Roxy kehrt das Duo nochmals zurück für eine durch und durch überraschende Zugabe: Schirmer erzeugt mit einem Glas auf den Saiten bizarre Slide-Effekte und mit Zehnders improvisatorischem Sprechgesang entsteht tatsächlich so etwas wie ein avantgardistischer Blues. 

 

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