pressezitate zu "oloid"

 

tageswoche.ch - 26. April 2015

"Ein geometrischer Körper als Zündfunke für musikalische Inspiration? Hört sich irgendwie spröde oder gar verstiegen an. Doch der Oloid steht ja nicht für trockene Mathematik. Dieser vom Anthropologen Paul Schatz entdeckte, respektive berechnete «überstülpte Würfel» hat für das Auge des Betrachters etwas zutiefst Organisches, ja, Verspieltes. Er gleicht einem amöbenartigen Körper, hat aber auch Züge vom Raumschiff Enterprise.

Und wenn er sich dann über seine eigenen Kanten abrollt, wenn dieses Ding über die Bühne eiert, wie es dies zu Beginn des Konzertes tut, dann assoziiert man tatsächlich Rhythmen, torkelnde, synkopische Grooves, Broken Beats.

Der Oloid bringt die Show nicht nur im wahrsten Wortsinn ins Rollen, er ist auch Beatgeber: Mit den Fingern abgeklopft, tönt er ein wenig wie Regen, der auf Blech prasselt, wie ein Hang ohne festgelegte Tonhöhe.

Doch genauso prominent, wie er am Anfang im Fokus steht, tritt er dann zurück, bleibt als unbeweglicher Wächter am Bühnenrand hocken. Denn nun übernimmt die andere charakteristische Klangfarbe die Regie, die dem «Oloid»-Projekt des Stimmenkünstlers Christian Zehnder und Schlagwerkers Gregor Hilbe seine Konturen gibt. Es sind gigantische, hölzerne Vierkantpfeifen, die grössten von ihnen mannshoch, schnaubende, seufzende Laute tönen daraus, an eine altersschwache Lokomotive gemahnen sie genauso wie an ein Orchester indianischer Urwaldflöten, oder an die ganz tiefen Register einer Kirchenorgel, die sich selbständig gemacht haben. Mit ganzem Körpereinsatz liefern die Künstler auf ihnen eine groovende Stereophonie. Raucherlungen könnten das nicht leisten, so viel steht fest.

Gregor Hilbe unterfüttert die geblasenen Rhythmen mit einer reichen Palette an Schlagwerk, erweist sich als perkussiver Spaziergänger: Mit Gongs behängt, oder auch mit einer Fasstrommel vor dem Bauch, wandert er zwischen Pfeifenwerk und Drums umher, baut hier mal ein wenig Looptechnik ein, fächert dort per Laptop die Beats räumlich auf. Darüber entfaltet Zehnder seine grandiose, impulsive Vokaltheatralik: Mit seinen Fantasiesilben formt er die Persönlichkeit eines verzückten Kastrats, gibt im nächsten Moment den röhrenden, aufbrausenden Leviathan oder den wilden mongolischen Steppenreiter.

Doch als wären die vielen Rollen, die die beiden Musiker einnehmen, noch nicht genug, haben sie sich als dritten Mann Matthias Loibner ins Boot geholt. Einige mögen ihn noch von den austriakischen Folkrebellen Deishovida kennen, bei denen er anfing, die Drehleier von ihrem Image des wurzeligen Spielmanninstruments zu befreien.

Loibner ist tatsächlich der radikale Gegenentwurf zum öden Leiermann: Er füllt die mittelalterliche Mechanik mit gruftigem Wimmern, lässt die Töne monströs aufheulen wie ein Gesang eines verletzten Wals, lässt sie in irren Synkopen schnarren. Kurzum: Er verleiht diesem vormals so rigiden Instrument eine vielschichtige Persönlichkeit.

Die Klangbilder, die das Trio in der Folge schafft, scheinen keine Grenzen zu kennen: Ueber einem wilden Galopp von Toms und Bassdrum verflechten sich das wimmernde Kreisen der Leier und die wispernden Obertöne aus der Kehle von Zehnder, der die Zuhörer glauben macht, dass er da gerade eine Maultrommel bediene. Wassertropfen können hier genauso einen Grundtakt geben wie kristalline Loops auf gestimmten Gläsern die Pfeifen umspielen. Mit ihnen verschmilzt Zehnders Stimmenkunst einmal zu einem Gesamtorganismus, als er ein bluesiges Intermezzo mit tierischen Lauten vom Zaun bricht. Und in den stillen Momenten wird gar ein wenig sakrale Atmosphäre heraufbeschworen, Töne, wie sie einem in einer alten Kirche durch den Nachhall der Jahrhunderte zugeraunt werden könnten.

Und plötzlich erhebt sich eine Redefinition des alpinen Jodelns: Erst majestätisch vom Berg hinuntergerufen, dann sich rasant überschlagend zu ungeraden, vorwärtstreibenden Metren des Schlagzeugs. Ueberhaupt sind viele der Grooves, die Hilbe liefert, von rockigem Zuschnitt, er offenbart die Energien eines polyrhythmisch bepackten Drummers, der viel in Fussarbeit investiert, die Stöcke auch mal gerne zur Seite legt, um mit den Händen Direktkontakt zum Fell aufzunehmen.

Am Ende dieser genauso fantasie- wie humorvollen Darbietung bleibt der überwältigende Eindruck, man habe hier dem Kampf des Menschen mit den Urgewalten der Elemente selbst gelauscht. Einem Epos aus mythischer Zeit, in der Sprache sich als Spiegel der Naturlaute erst formte. Und da ist er im Finale auch wieder, der Oloid: Zehnder jodelt seine Namenssilben hinaus, während er den Körper in der Hand wiegt, wie einen Schatz, der seine letzten Geheimnisse nicht preisgibt."

(Ganze Rezension als PDF)

 

badische zeitung - 27. April 2015

"Schließlich wechselt Zehnder zur Stimme, entfaltet auch die in einem ungeheueren Spektrum, brummt und summt, pfeift, rülpst und würgt, schnalzt und schnarrt, flüstert, brüllt und jodelt. Der ausschließlich lautmalerisch arbeitende Vokalist holt unglaubliche Töne aus den Tiefen der Kehle und gestikuliert dazu mit Armen und Händen, als dialogisiere er mit Dämonen."

[...]

"Da amalgamieren folkloristische Einflüsse und Elektronik, da verbinden sich archaische Naturklänge und eine zeitgenössische Klangarchitektur bis hin zur Minimal Music. Da wechseln Kontemplatives und Trancehaftes ab mit Expressivem, Hymnischen, Mitreißendem, und Matthias Loibner zeigt sich als kongeniale Ergänzung. Seine Drehorgel oszilliert zwischen melancholischer Sehnsucht, kontemplativer Monotonie, wie sie aus der indischen Musik bekannt ist, und extrovertierten Passagen, die ihn die Etikette eines "Jimi Hendrix der Drehleier" eingebracht haben. Zehnder moduliert dazu Töne und Laute und jongliert mit Silben wie Oloidiolo". Das wirkt wie zeitgenössischer Musik-Dada, ein Zertrümmern, Verfremden und neu Arrangieren mehr oder weniger vertrauter Klangszenarien."

(Ganze Rezension als PDF)

 

stuttgarter zeitung

”...Archaische Kunstmusik: Wer im vergangenen Jahr bereits das Vergnügen hatte, das herausragend transparent produzierte Album ”Oloid" (erschienen auf Traumton Records) hören zu können, hätte schwören mögen, dass diese Musik live entweder gar nicht oder aber bestimmt nicht in dieser Qualität und Intensität reproduzierbar sei. Am Sonntagabend bewiesen der Schweizer Stimmakrobat Christian Zehnder und der aus Liechtenstein stammende Schlagzeuger Gregor Hilbe in der sehr gut besuchten Dieselstraße dann das Gegenteil und zelebrierten ihre imaginäre Folklore mit einem superben Sounddesign.

Als Blickfang auf der Bühne fungierte eine Installation von zweimal sechs hölzernen Mundorgeln, ergänzt durch ein Schlagzeug, ein Cello, ein Bandoneon und eine überschaubare Glasharfe. Die Musik von ”Oloid", so Zehnders Kommentar, bewege sich zwischen Papua-Neuguinea und Johann Sebastian Bach, zwischen archaischer Rhythmik und europäischer Kunstmusik.

Damit allerdings nicht genug: Hilbe, der schon mit dem Fela Kuti Drummer Tony Allen gearbeitet hat, bastelte komplexe Rhythmus-Loops als Plattform für Zehnders mit szenischen Performances unterfütterten Oberton-Gesängen, manchmal spröde, manchmal sakral, manchmal schon fesselnde Minimal-Dancefloor-Tracks für die Esoterik-Disco. Das künstlerische Spiel mit dem Vorstellungskomplex des Alpinen, das Zehnders einstige Projekte Stimmhorn und Schmelz so nachdrücklich prägte, ist im Falle von ”Oloid'. aus dem Spiel. - Stattdessen spielt man eine abstrakte, wenn man so will, globale Musik, die aufreizend mühelos die Grenzen zwischen diversen spirituell informierten Folkloren, repetitiven Trance-Experimenten und Körper erschöpfender Avantgarde-Performance verflüssigt. Das Programm ”Oloid" ist dabei konzeptionell und dramaturgisch derart dicht, dass es den Künstlern als Zugabe nur noch blieb, spielerisch und verkaufsfördernd auf die aktuelle CD hinzuweisen, deren Produktion sie finanziell ruiniert habe, weshalb sie jetzt ausdauernd touren müssten. Fürs Publikum in jeder Hinsicht eine Quelle puren Glücks...”

 

tagesanzeiger

”…Ein Album von minimalistischer Magie…”

(Ganze Rezension als PDF)

 

basellandschaftliche/aargauer zeitung

”…Archaisch und modern, total wild und total kontrolliert zugleich. Und am Ende spürt man es als Zuhörer besonders deutlich: dass man lebt. Tobender Applaus…”

 

diekopfhörer.de

”..Auf Oloid hat Christian Zehnder mit Gregor Hilbe einen Sound entwickelt, der für viele Hörer sicher komplettes Neuland ist… Zur vollen Wirkungsentfaltung muss es am Stück, am besten Nachts und über Kopfhörer gehört werden, denn nur so wird der Hörer eins mit dem mystischen Klang, verliert sich in einer Klangwucht, die im positivsten Sinne des Wortes ursprünglich oder schamanisch, ja beinahe psychedelisch ist. Der treibende Rhythmus lässt bisweilen Erinnerungen an Magma aufkommen, auch wenn ein Vergleich an dieser Stelle eher im Bezug auf die Gesamtwirkung schlüssig erscheint…”

 

jazz dimension

”...Der Gedanke, es könne sich lediglich um die flüchtige Aneignung fremdartigen Instrumentariums handeln, schwindet im Laufe des Hörens und weicht einem nachhaltigen Staunen....”

 

jazzpodium

”...Das Hören dieser Musik läd ein zu einer Reise in fere Welten, die nicht unbedingt auf dieser unserer Erde zu finden sind. Panta rhei. Alles fliesst. Die Geschichte der Menschheit transzendiert in die Gegenwart. Das Oloid als alles verbindendes Symbol. Das Ergebnis dieser Verbindung: Rhytmen, Klänge, so komplex noch nie gehört...”

 

jazzethik

”...Dringt man mit den beiden nun in das Oloid ein, wirkt das wie der Eintritt in ein vergessenes Reich, eines, das zugleich eine aufgegebene Raumstation der Zukunft ist...”

 

 

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