overtone vocals

obertongesang

Der Obertongesang hat in den letzten Jahrzehnten viel an Popularität gewonnen. Einerseits profitierte er durch den Boom der Weltmusik der 90er Jahre, aber auch die in Mode gekommenen Reiseländer Zentralasiens wie die Mongolei, Tibet oder Tuva tragen dazu bei, dass das polyphone Singen sich auch immer mehr ins Bewusstsein unserer okzidentalen Kultur setzt. In den den 60er Jahren wurde der Obertongesang, angeregt von Komponisten wie Karl Heinz Stockhausen oder La Monte Young in Europa entdeckt und nach westlichen Vorstellungen entwickelt. So entstand eine Art eurasischer Stil, welcher sich von den asiatischen und anderen Obertongesangstechniken unterscheidet und im Gegensatz zur modalen Denkweise der Musik Asiens, mehr unserer harmonisch ausgerichteten Musik- und Gesangskultur entspricht.

Nach den experimentierfreudigen 60er Jahren verschwand das Interesse am Obertongesang wieder und wurde fest von der «New Age»-Generation okkupiert. Viele Musiker distanzierten sich von den Verklärungen und der esoterischen Gewichtung des Obertongesangs mit seinen schamanistischen Wurzeln. Das Schweizer Duo «Stimmhorn» verband Mitte der 90er Jahre zum ersten mal das musikalische Erbe der Alpen mit dem Obertongesang und experimentierte auch mit klassischen Klangkörpern, Jazzmusikern und in Kunstprojekten. Eine neue Generation von Musiker befasst sich seither vermehrt mit dem individuellen und kompositorischen Umgang dieser Gesangstechnik. Sie versucht auf verschiedenste Weise die Techniken künstlerisch weiterzuentwickeln und in Projekten umzusetzen.

Hochschulen, Komponisten, Chöre, bis hin zur zeitgenössischen Oper: Sie alle interessieren sich zunehmend für diese faszinierende erweiterte Ausdrucksweise der menschlichen Stimme. Studenten und Musiker versuchen die Klangfarben der Stimme neu zu entdecken und offener zu nutzen. Auf Hochschulen in ganz Europa und Amerika stellt sich ein neues Bewusstsein und ein Interesse an der Wahrnehmungswelt des Obertongesangs ein. Klassische Chöre, welche sich in Seminaren mit den Obertönen beschäftigt haben, verwenden die Klangfarben ihrer Stimmen bewusster und auch Solisten erfahren die Formanten und Teiltonstrukturen aus dem Obertonspektrum im Gesang als sehr bereichernd. In der Schulpädagogik stellt man allgemein fest, dass die Musik durch die Erfahrung mit Obertönen das Bewusstsein des Gehörs äusserst positiv stimuliert und die auditive Wahrnehmung sensibilisiert.

Leider fehlen bis Heute immer noch viele Grundlagen, Lehrmittel und Notenliteratur im Bereich der Obertonmusik. Auch künstlerisch findet man noch zu wenig Projekte oder Kompositionen aus unserem Kulturkreis, wel- che sich künstlerisch anspruchsvoll mit dem Obertongesang befassen. Es gibt für Musiker und engagierte Laien nur wenig Möglichkeiten, sich fundiert und mit akademischer Ausrichtung mit dieser faszinierenden Gesangstechnik auseinanderzusetzen und auszubilden lassen.

Mit den Seminarien und Workshops sollen einerseits dem Neugierigen Einblicke in die faszinierende Welt des Obertongesangs eröffnet werden, andererseits mittels fundierten Lehrmitteln und verschiedenen Kursangeboten die Möglichkeit geschaffen werden, die erworbenen Fähigkeiten über das erste Erlernen von Obertönen hinaus so weit auszubilden, um in Chören, als Solist oder in der Improvisation den mannigfaltigen Möglichkeiten und Herausforderungen des Obertongesangs begegnen zu können und sie zu meistern.

Es stehen zwar immer mehr Obertonwerke von Komponisten zur Interpretation zur Verfügung, aber bis heute sind nur wenige fähig, diese auch künstlerisch erfolgreich umzusetzen. Dies liegt vor allem an fehlenden pädagogischen Lehrmitteln und den oft nicht fundierten Lehrweisen des Obertonsingens. Ein angehender Obertonsänger sollte sich bewusst sein, dass es den Obertonsänger so eigentlich gar nicht gibt: Die Basis ist immer der Natur- oder Kunstgesang und wird durch das Erlernen der Obertongesangstechniken lediglich klangspezifisch und technisch erweitert. Wer sich also als Obertonsänger behaupten möchte, sollte auch sonst leidenschaftlich als Sänger oder Sängerin unterwegs sein

 

lern- und training seminare/workshops

Leitung: Christian Zehnder, Marcel Wick

Kursdaten: Kursdaten

 

Start Up Workshop (Schnuppern)

Für alle Laien und Sänger wird eine erste unbekümmerte Begegnung mit dem Obertongesang ermöglicht. Spielerisches erforschen und das Erfahren der faszinierenden Modulationsmöglichkeiten der menschlichen Stimme stehen hier im Mittelpunkt. Wenig Theorie und viel Praxis als Einführung in ein anderes Hören beim Singen.

Kurs: 3 Stunden

 

Basis Seminar (Anfänger)

Für alle die ambitioniert die Grundkenntnisse des Obertongesanges erlangen und erforschen wollen. Erste Obertöne werden erlernt, gesungen und vertieft. Gemeinsam und in Einzelarbeit wird das Instrument des angehenden Obertonsängers gebildet und intensiv an der Technik gearbeitet. Wer glaubt professionelle Sänger kommen schneller zu Obertönen, wird erfahren, dass hier ganz andere Gesetze am Wirken sind und oft sehr individuelle Herausforderungen an die Stimme und die Persönlichkeit gestellt werden, die erst einmal gemeistert sein wollen. Daneben wird viel Körperarbeit und Chorsingen unser Instrument öffnen und für einen wichtigen Ausgleich sorgen.

Kurs: 3–4 Tage

 

Training Seminar (Fortgeschrittene)

Alle die engagiert sind und über bestimmte Grundkenntnisse verfügen, bilden sich in Aufbauseminarien weiter und erlernen erste Stücke in kleinen Ensembles, Chor und als Solist. Die Obertontechniken des Sängers werden hier verfeinert, und die Grundlagen zur künstlerischen Interpretation und Ausdruck einer Komposition, Interpretation oder Improvisation gelegt.

Kurs: 3–4 Tage

 

Einzellektionen (Privatunterricht)

Grundsätzlich ist es für einen angehenden Obertonsänger leichter in der Gruppenarbeit in die Welt der Partialtöne einzutauchen. Es ist aber auch möglich über Einzelstunden zu lernen oder ergänzend zu den Kursen auf die spezifische Entwicklung des Lernenden einzugehen. Christian Zehnder und Marcel Wick bieten dafür Einzellektionen oder für 2er und 3er Gruppen an.

Lektionen: 60 Min.

 

Zurück zu "Workshops"